Spenderspezifische HLA-Antikörper erhöhen bei Lungentransplantierten das Risiko für langfristige Komplikationen. Diesen Zusammenhang hat eine Studie deutlich gemacht, die deutsche Wissenschaftler nun veröffentlicht haben.

Für Patienten mit schweren Lungenerkrankungen im Endstadium ist eine Lungentransplantation die letzte therapeutische Option. Leider ist im Verlaufe der nächsten fünf Jahre immer noch ein hoher Anteil von bis zu 50 Prozent der Lungentransplantierten von chronischem Transplantatversagen betroffen. Die sich verschlechternde Organfunktion beruht auf wachsenden Entzündungsherden und einer Art von Vernarbungsprozess im transplantierten Organ, man spricht von einem Bronchiolitis obliterans-Syndrom (BOS). Wie es dazu kommt, und wie dem entgegengewirkt werden kann, ist noch wenig bekannt.

Spenderspezifische HLA-Antikörper stehen seit längerem im Verdacht, an der Entwicklung des BOS beteiligt zu sein. Wissenschaftler der Universität München und des Helmholtz Zentrums München haben diesen Zusammenhang in einer Studie mit 120 Lungentransplantationspatienten genauer untersucht. Nach der Transplantation wurde bei 39 Patienten (32,5 Prozent) HLA-Antikörper nachgewiesen, davon bei 27 Patienten (22,5 Prozent) erstmals, also spenderspezifisch. Elf dieser 27 Patienten (= 41 Prozent) entwickelten im weiteren Verlauf ein BOS im Vergleich zu nur 14 Prozent bei den HLA-negativen Studienteilnehmern.

Die Ergebnisse zeigen demnach einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Auftreten spenderspezifischer HLA-Antikörper und der Entwicklung eines Bronchiolitis obliterans Syndroms. Eine regelmäßige HLA-Kontrolle nach der Transplantation kann den Wissenschaftlern zufolge helfen, Hochrisikopatienten frühzeitig zu erkennen und entsprechend früh einem chronischen Transplantatversagen therapeutisch entgegenzuwirken.


Quelle:

Kauke, T. et al.: Bronchiolitis obliterans syndrome due to donor-specific HLA-antibodies. In: Tissue Antigens 2015, 86, 178-185

Weiterführende Informationen:
Stellungnahme der Fachgesellschaft der Herz- und Lungenchirurgen zur Organtransplantation
Langfristige Komplikation – das chronische Transplantatversagen (CLAD)
Lungentransplantation – Grundlagen, Operation, Erfolgsaussichten


Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung aus dem Lungeninformationsdienst, einem Angebot des Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt übernommen.