Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie) wird bei alten und sehr alten Menschen signifikant später diagnostiziert als bei jüngeren. Dies zeigt eine französische Studie im Fachjournal „ERJ Open Research“. Durch die verspätete Diagnose und vermehrte Begleiterkrankungen verschlechtert sich auch die Prognose der älteren Patienten. Das Alter sollte daher bei der Diagnose berücksichtigt werden, betonen die Autoren.

Lungenhochdruck wird immer häufiger auch bei älteren Menschen diagnostiziert. 1987 lag das durchschnittliche Alter bei der Diagnose noch bei 36 Jahren, heute bereits bei 50 bis 65 Jahren. Bei ältere Menschen gilt es jedoch einiges zu beachten, denn sie zeigen oft altersbedingte untypische Symptome. Zudem kommen meist mehr Begleiterkrankungen hinzu, die auch bei der medikamentösen Therapie berücksichtigt werden müssen.

Ziel der französischen Studie war es daher, die Besonderheiten bei der Lungenhochdruck-Diagnose im Alter zu analysieren. Im Fokus standen die klinischen Merkmale, die Zeit bis zur Diagnose und die Prognose bei „älteren“ (65 bis 74 Jahre) und „sehr alten“ (über 75 Jahre) Patientinnen und Patienten.

Alter beeinflusst Diagnosezeitpunkt und Prognose.

248 Menschen mit pulmonaler Hypertonie wurden in die Studie eingeschlossen. 101 waren „jung“, 82 „älter“ und 65 „sehr alt“. Die Lungenhochdruck-Diagnose wurde im Gesamtdurchschnitt mit 68 Jahren gestellt. Auffallend war, dass bei älteren und sehr alten Patienten zwischen den ersten Symptomen und der Diagnosestellung deutlich mehr Zeit verging als bei den jungen. So erhielten junge Patienten die Diagnose im Schnitt nach sieben Monaten und Ältere nach neun. Bei sehr alten Patienten vergingen im Mittel sogar 16 Monate, sodass sie auch erst spät in einem auf Lungenhochdruck spezialisierten Zentrum behandelt werden konnten. Sehr alte Patienten hatten außerdem häufiger eine schwere pulmonale Hypertonie (Grad 4).

Das Gesamtüberleben betrug in der gesamten Gruppe durchschnittlich 46 Monate. Allerdings nur 37 bei älteren und 28 Monate bei den sehr alten Patienten. Schloss man statistisch den Einfluss von Begleiterkrankungen wie zum Beispiel Herzerkrankungen oder Bluthochdruck aus, war das angepasste Überleben in allen Altersgruppen ähnlich.

„Alter sollte unbedingt bedacht werden“

Das Fazit der Autoren: Das Alter der Patienten sollte bei der Diagnose von Lungenhochdruck unbedingt berücksichtigt werden, denn ältere Menschen zeigen oft nicht-charakteristische Symptome. Zudem ist ein höheres Alter mit einer schlechteren Prognose verbunden. Diese geht ihrer Ansicht nach zum einen auf die verzögerte Diagnose zurück, andererseits wird sie aber auch durch die vielen Begleiterkrankungen negativ beeinflusst.


Quellen:

Medical Tribune: Pulmonale Hypertonie: Schlechtere Prognose durch Verzögerung und hohe Komorbidität. Meldung vom 20.06.2019

Ginoux, M. et al.: Impact of comorbidities and delay in diagnosis in elderly patients with pulmonary hypertension. ERJ Open Research, 2018, 4, DOI: 10.1183/23120541.00100-2018


Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung aus dem Lungeninformationsdienst, einem Angebot des Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt übernommen.