Ein regelmäßiges Screening mit Computertomographie-Untersuchungen konnte in einer aktuellen Studie die Todesfälle durch Lungenkrebs bei starken Rauchern und Ex-Rauchern signifikant senken. Die Ergebnisse wurden im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Insgesamt 13.195 Männer und 2.594 Frauen im Alter von 50 bis 74 Jahren aus den Niederlanden und Belgien nahmen an der NELSON-Studie (Nederlands–Leuvens Longkanker Screenings Onderzoek) teil. Alle hatten mindestens 25 Jahre lang 15 Zigaretten oder mehr am Tag geraucht bzw. mindestens 10 Zigaretten pro Tag über 30 Jahre hinweg. Sie waren entweder noch aktive Raucherinnen und Raucher oder hatten vor weniger als zehn Jahren mit dem Rauchen aufgehört.Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip entweder in die Screening- oder die Kontrollgruppe ohne Screening eingeteilt. Das Screening bestand aus regelmäßigen Computertomographie (CT)-Untersuchungen in Jahr 1, 3 und 5,5 nach Beginn der Studie. Ob eine Nachuntersuchung erfolgen sollte, wurde anhand von Volumen und der Veränderung des Volumens eventuell bestehender Knoten in der Lunge entschieden. Alle Teilnehmenden wurden über mindestens 10 Jahre hinweg weiter beobachtet und eventuelle Todesfälle und die Todesursache registriert.

Argumente für ein systematisches Lungenkrebsscreening in Europa?

Nach der zehnjährigen Nachbeobachtung traten in der Screening-Gruppe 5,58 Lungenkrebs-Fälle pro 1000 Personenjahre auf und in der Kontrollgruppe 4,91 Fälle pro 1000 Personenjahre. Ein statistisch eindeutiger Unterschied ergab sich beim Blick auf die Todesfälle. So starben innerhalb der Nachbeobachtungszeit der Screening-Gruppe 156 Männer an Lungenkrebs, dies entspricht 2,50 Todesfälle pro 1000 Personenjahre. In der Kontrollgruppe waren es dagegen 3,30 Todesfälle pro 1000 Personenjahre (206 Tode). Die regelmäßigen CT-Untersuchungen hatten das Sterberisiko somit um 24 Prozent gesenkt.

Bei Frauen könnte das Screening sogar noch wirkungsvoller sein. Aufgrund der kleinen Zahl an Studienteilnehmerinnen, waren die Zahlen jedoch statistisch nicht signifikant. Allerdings haben schon andere Studien die positiven Auswirkungen eines CT-Screenings bei Frauen mit hohem Lungenkrebsrisiko gezeigt, so zum Beispiel die deutsche LUSI-Studie, deren Ergebnisse Mitte 2019 veröffentlicht wurden.

Nach Ansicht von Experten bestätigt die aktuelle Studie nochmals deutlich den Nutzen eines CT-Screenings zur Lungenkrebsvorsorge. Bisher gibt es das systematische Screening für Hochrisikogruppen in Europa nicht.


Quellen:

Koning, H. J. et al.: Reduced Lung-Cancer Mortality with Volume CT Screening in a Randomized Trial. In: New England Journal of Medicine, 2020; 382:503-513

Deutsches Ärzteblatt: CT-Screening senkt Lungen­krebssterblichkeit in Studie. Meldung vom 7. Februar 2020


Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung aus dem Lungeninformationsdienst, einem Angebot des Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt übernommen.