Der Antikörper Pembrolizumab ist einer Chemotherapie zur Erstbehandlung eines fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms überlegen. Das berichtet eine Studie im ‚New England Journal of Medicine‘. Bisher wurde er erst eingesetzt, wenn die Chemotherapie erfolglos blieb. Allerdings muss der Tumor bestimmte molekulare Eigenschaften aufweisen, damit die Therapie Erfolg verspricht.

Manche Tumorzellen tragen auf ihrer Oberfläche das Molekül PD-1 – ein Protein, welches gezielt das Immunsystem und damit auch die körpereigene Krebsabwehr ausschalten kann. Der Antikörper Pembrolizumab bindet an PD-1 und soll verhindern, dass dessen Bindungspartner PD-L1 an das Protein andockt und den Mechanismus auslöst. Er kommt aktuell zum Einsatz, wenn eine Chemotherapie bei Patienten nicht zur gewünschten Verbesserung führt.

Die aktuelle KEYNOTE-024 Phase-3-Studie testete nun, ob der Wirkstoff auch als Ersttherapie in Frage kommt. Dazu untersuchten die Forscherinnen und Forscher gezielt Patienten, deren Krebszellen vermehrt PD-L1 aufwiesen. Das sind etwa 23-30 Prozent aller Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom, so die Autoren, unter ihnen auch Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL).

Insgesamt nahmen 305 Patienten aus 16 Ländern teil. Nach dem Zufallsprinzip erhielten sie entweder eine Chemotherapie oder wurden mit Pembrolizumab behandelt. Zeigte sich bei der Chemotherapie keine Verlangsamung des Krebswachstums, so wurden die Patienten in die Antikörperbehandlung aufgenommen. Das war bei 44 Prozent der Teilnehmer der Fall.

Die Auswertungen ergaben, dass durch den Wirkstoff das Überleben ohne Fortschreiten der Krankheit im Vergleich zur Chemotherapie um vier Monate verlängert wurde (10,3 gegenüber 6 Monaten). Darüber hinaus spricht der Antikörper deutlich besser an und wirkt längerfristig bei gleichzeitig weniger unerwünschten Nebenwirkungen, berichten die Autoren.

Die Wissenschaftler könnten sich vorstellen, dass bei Lungenkrebspatienten künftig schnell der PD-L1 Status überprüft wird und gegebenenfalls eine Erstbehandlung mit dem Antikörper eingeleitet wird. Neben Pembrolizumab steht aktuell mit Nivolumab ein weiterer Wirkstoff zur Immuntherapie bereit, der vor etwa einem Jahr in der EU für die Behandlung von Lungenkrebs zugelassen wurde. Zudem befindet sich der Antikörper Atezolizumab momentan in der Testung. Die aktuelle Studie wurde mit Mitteln eines pharmazeutischen Herstellers finanziert.


Quellen:

Reck, M. et al.: Pembrolizumab versus Chemotherapy for PD-L1–Positive Non–Small-Cell Lung Cancer. In: The New England Journal of Medicine, 2016, doi: 10.1056/NEJMoa1606774

European Society for Medical Oncology: Pembrolizumab new option for first line treatment of patients with advanced lung cancer and high PD-L1 expression. Pressemitteilung vom 9. Oktober 2016


Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung aus dem Lungeninformationsdienst, einem Angebot des Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt übernommen.