Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen mittels Computertomographie können das relative Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, bei Frauen deutlich senken. Das meldet das Deutsche Krebsforschungszentrum auf Grundlage aktueller Studienergebnisse. Zusammen mit weiteren Studien liefern die aktuellen Erkenntnisse gute Argumente für die Einführung eines systematischen Lungenkrebsscreenings für Hochrisikopatienten, so die Experten.

Die Ergebnisse basieren auf der 2007 gestarteten LUSI-Studie – kurz für German Lung Cancer Screening Intervention-Studie. Etwa 4.000 Männer und Frauen zwischen 50 und 69 Jahren nahmen an der Untersuchung teil. Alle hatten eine jahrzehntelange Raucherkarriere hinter sich und galten somit als Hochrisikopatienten für Lungenkrebs. Die Hälfte der Teilnehmenden unterzog sich über vier Jahre hinweg jährlich einer Niedrigdosis-Mehrschicht-Computertomographie (MSCT), die trotz geringer Strahlendosis aussagekräftige Bilder liefert. Ziel war es herauszufinden, ob diese CT-Untersuchung geeignet ist, Lungenkrebs in einem sehr frühen und damit noch gut behandelbaren Stadium zu erkennen.

Während der Beobachtungszeit von im Schnitt 8,8 Jahren wurden in der Screening-Gruppe 85 und in der Kontrollgruppe 67 Lungentumore entdeckt. 29 der Screening-Teilnehmer starben am Lungenkrebs, 40 Patienten waren es in der Kontrollgruppe. Damit reduzierte sich das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, mit Screening zwar um 26 Prozent, allerdings war der Unterschied statistisch nicht aussagekräftig. Betrachteten die Forschenden jedoch nur die an LUSI teilnehmenden Frauen, ergab sich eine deutliche Risikoreduktion von 69 Prozent in der Screening-Gruppe.

Parallel zu LUSI liefen auch in vier weiteren europäischen Ländern teilweise kleinere Studien zur Lungenkrebs-Früherkennung per CT. Auch hier zeigte sich, dass Frauen tendenziell stärker vom Screening profitieren. Jedoch auch bei Männern wurde ein deutlicher Rückgang des Sterberisikos durch Lungenkrebs beobachtet.

Die Experten sind sich einig, dass die LUSI-Ergebnisse im Kontext der anderen Untersuchungen betrachten werden müssen. Jede einzelne der eher kleinen Studien sei für sich alleine nicht sehr aussagekräftig. Zusammengenommen sprächen die Ergebnisse eindeutig für die Einführung eines systematischen Lungenkrebs-Screenings für Hochrisikogruppen in Europa.

Wie erklären sich die Forschenden die Unterschiede zwischen den Geschlechtern?

Lungenkrebs kann in verschiedenen Zelltypen des Lungengewebes entstehen. Die an LUSI teilnehmenden Frauen erkrankten deutlich häufiger an einer bestimmten Tumorvariante, dem Adenokarzinom der Lunge. Diese Krebsart tritt häufig im außenliegenden Lungengewebe auf, wo sie in einer CT-Untersuchung leicht nachweisbar ist. So sei es möglich, sie besonders effizient im früheren Stadium zu erkennen, so die Experten. Andere Lungenkrebsarten entstehen häufig zentral an den Bronchien. Dort fallen sie auch im CT erst auf, wenn sie größer sind.


Quellen:

Deutsches Krebsforschungszentrum: Lungenkrebs-Screening: Frauen profitieren erheblich. Pressemeldung vom 26.6.2019

Becker, N. et al.: Lung cancer mortality reduction by LDCT screening—Results from the randomized German LUSI trial. In: International Journal of Cancer, online publiziert am 4. Juni 2019, DOI: 10.1002/ijc.32486


Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung aus dem Lungeninformationsdienst, einem Angebot des Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt übernommen.