Einer aktuellen Studie zufolge halten sich viele Patienten nach einer Lungentransplantation nicht an die Therapie-Vorgaben und nehmen ihre dringend benötigten Medikamente nicht richtig ein. In ihrem Bericht haben die deutschen Forschenden ebenfalls beleuchtet, was die Gründe dafür sind.

Medikamente, die das eigene Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva), sind nach einer Lungentransplantation dringend erforderlich, um zu verhindern, dass das neue Organ abgestoßen wird. Transplantierte müssen diese Medikamente ihr Leben lang einnehmen. Die Therapie-Treue – also, wie gut sich Betroffene an die Behandlungsvorhaben halten – trägt entscheidend zum Langzeit-Erfolg der Transplantation bei. Trotz allem zeigen Studien immer wieder, dass Patienten ihre Medikamente nicht richtig einnehmen.

Mit Hilfe eines etablierten Fragebogens (Basel Assessment of Adherence with Immunosuppressive Medication Scale, BAASIS) gingen Forschende der Medizinischen Hochschule Hannover nun der Frage nach, wie viele Patienten sich nicht an die Therapie halten. Zudem wollten sie die Gründe für eine mangelnde Therapie-Treue herausfinden. Insgesamt wurden 504 Lungen-Transplantierte zu ihrer Medikamenten-Einnahme innerhalb der letzten vier Wochen befragt. Bei allen lag die Operation mindestens sechs Monate zurück.

Fast jeder dritte hält sich nicht an die Therapie-Vorgaben

138 der 504 Befragten (27 Prozent) hielten sich in mindestens einem Punkt nicht an den vorgegebenen Therapieplan. Sie nahmen ihre Medikamente beispielsweise nicht zum richtigen Zeitpunkt ein (103 der 138 Patienten), reduzierten eigenmächtig die Dosis (15 von 138) oder ließen einzelne Einnahmen ganz aus (zwei von 138). Zudem zeigte sich: Je länger die Lungentransplantation zurück lag, desto weniger hielten sich die Patienten an den Behandlungs-Plan.

Als Begründung nannten die Befragten unter anderem:

  • Schwierigkeiten, die Therapie in den Alltag zu integrieren
  • Zu viele Tabletten
  • Zu oft am Tag
  • Unsicherheit über die Wirksamkeit der Medikamente

Bessere Beratung und Unterstützung durch Angehörige

Da die Therapie-Treue den weiteren Verlauf nach einer Lungentransplantation entscheidend beeinflusst, raten die Autoren der Studie dazu, dass Transplantierte in den Folgeuntersuchungen nach der Operation mehr dazu beraten werden, wie sie die Therapie bestmöglich in ihren Tagesablauf einbauen können. Zudem sollte es zur Routine werden, sie immer wieder darüber aufzuklären, warum die Medikamente dringend erforderlich sind. Wann immer möglich sollten auch Angehörige mit einbezogen werden, so die Forscher, denn familiäre Unterstützung könne die Therapie-Treue ebenfalls positiv beeinflussen.


Quelle:

Dick, N. et al.: Self-reported non-adherence to immunosuppressive medication in adult lung transplant recipients – A single center cross-sectional study. In: Clinical Transplantation, online publiziert am 29. Januar 2018


Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung aus dem Lungeninformationsdienst, einem Angebot des Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt übernommen.