Das Medikament Nintedanib ist bislang nur zur Behandlung von idiopathischer Lungenfibrose (IPF) zugelassen. Eine aktuelle Studie im New England Journal of Medicine zeigt jetzt, dass der Wirkstoff auch bei anderen Formen der Lungenfibrose den Rückgang der Lungenfunktion verlangsamen kann.
Grafik einer Lunge mit Lupe.

Der Tyrosin-Kinase-Inhibitor Nintedanib wird in Deutschland bereits seit 2015 zur Behandlung der idiopathischen Lungenfibrose (IPF) eingesetzt. Bei IPF vernarbt das Lungengerüst aus noch unbekannter Ursache. Präklinische Daten deuten darauf hin, dass Nintedanib allgemeine zelluläre Prozesse hemmt, die bei den fibrotischen Veränderungen in der Lunge von Bedeutung sind. Daher wäre es denkbar, dass die Substanz auch bei vielen anderen Arten fibrosierender Lungenerkrankungen wirken könnte. Ob dies so ist, sollte die aktuelle INBUILD-Studie zeigen, die an 153 Standorten in 15 verschiedenen Ländern durchgeführt wurde.

Insgesamt nahmen 663 Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichen fibrosierenden, interstitiellen Lungenkrankheiten teil, deren Krankheit trotz Behandlung innerhalb der letzten 24 Monate weiter vorangeschritten war. Zufällig wurden die Teilnehmenden in zwei gleich große Gruppen aufgeteilt: Die einen erhielten für 52 Wochen zweimal täglich 150 mg Nintedanib die anderen ein Placebo. Untersucht wurde, wie sehr sich die Lungenfunktion – gemessen als FVC-Verlust – innerhalb des Studienzeitraums verschlechterte. Die forcierte Vitalkapazität FVC gibt an, wie viel Luft man nach maximaler Einatmung wieder maximal ausatmen kann.

Das Ergebnis: Unter Nintedanib ging die Lungenfunktion signifikant langsamer zurück, als unter dem wirkstofffreien Placebo. Im Schnitt verloren die mit Nintedanib behandelten Patienten 80,8 Milliliter FVC pro Jahr, ohne den Wirkstoff waren es 187,8 Milliliter.

Nintedanib-Nebenwirkungen relativ häufig

Die Nintedanib-Behandlung war allerdings mit einigen Nebenwirkungen verbunden. Nach Aussage der Autoren handelte es sich dabei um solche, die auch von Patienten mit IPF bekannt waren. Am häufigsten berichteten die Studienteilnehmer von Durchfall (67 Prozent in der Nintedanib-Gruppe, verglichen mit 24 Prozent in der Kontrollgruppe). Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen. Verminderter Appetit und Gewichtsabnahme waren weitere häufige Nebenwirkungen unter Nintedanib. Zudem kam es öfter zu Anomalien bei Leberfunktionstests als in der Placebogruppe.

Das Fazit der Studienautoren: Nintedanib verlangsamt auch bei Menschen mit anderen Formen der Lungenfibrose den Rückgang der Lungenfunktion. Dies deute darauf hin, dass sich die Mechanismen der Vernarbung in der Lunge ähneln, unabhängig von den Ursachen der fibrosierenden Lungenkrankheiten. Allerdings zeigte sich in der aktuellen Studie keine Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität durch die Einnahme von Nintedanib.

Die Studie wurde von der pharmazeutischen Industrie finanziert.


Quellen:

Flaherty, K. R. et al.: Nintedanib in Progressive Fibrosing Interstitial Lung Diseases. In: News England Journal of Medicine, September 29, 2019 DOI: 10.1056/NEJMoa1908681


Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung aus dem Lungeninformationsdienst, einem Angebot des Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt übernommen.