Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs, die sich nach einer Lungenkrebs-Operation zunächst erholen müssen, können die anschließende Chemotherapie oft erst verspätet starten. Trotzdem profitieren sie von dieser Behandlung. Das zeigt eine Studie von Wissenschaftlern der Yale Universität, die in der Fachzeitschrift ‚JAMA Oncology‘ veröffentlicht wurde.

Lungenkrebs gehört deutschlandweit zu den dritthäufigsten Krebsarten. Jährlich erkranken etwa 50.000 Menschen daran. Die häufigste Form von Lungenkrebs ist der sogenannte nicht-kleinzellige Lungenkrebs (NSCLC).  Wird der Tumor bei NSCLC- Patienten operativ entfernt, folgt oft eine Chemotherapie, um einzelne Krebszellen zu zerstören und ein erneutes Krebswachstum zu verhindern. Es wird dabei angestrebt, die Chemotherapie möglichst zeitnah, meist innerhalb der ersten sechs Wochen, nach der Operation zu beginnen. Dies ist jedoch in vielen Fällen nicht möglich, da sich die Patienten von der risikoreichen Operation erst noch erholen müssen. Wie sich ein verspäteter Start der Chemotherapie (bis zu vier Monate nach der Operation) auf die Prognose der Patienten auswirkt, das haben nun Forscher der Universität Yale im US-Bundesstaat Connecticut untersucht.

Für die Studie werteten die Wissenschaftler Daten der nationalen Krebs-Datenbank aus, in der die Behandlungsergebnisse von mehr als 70 Prozent aller Lungenkrebs-Patienten der USA gespeichert sind. 12.473 NSCLC-Patienten mit Lymphknoten-Metastasen und einer Tumor-Größe von vier Zentimetern oder größer erhielten zwischen 2004 und 2012 eine postoperative Chemotherapie. Mit der Therapie wurde bei diesen Patienten spätestens 127 Tage, also etwa vier Monate nach der Operation begonnen.

Die Auswertung der Daten zeigt: Nach fünf Jahren liegt die Überlebensrate bei 53 Prozent, wenn mit der Chemotherapie später (57 bis 127 Tage nach der Operation) begonnen wurde und bei 55 Prozent bei einem frühen Start nach der Operation (39 bis 56 Tage). Patienten mit einer verzögerten, postoperativen Chemotherapie haben also kein signifikant größeres Sterberisiko. Zudem ist ihre Überlebensrate im Vergleich mit Patienten, die nach der Operation keine Chemotherapie erhielten erhöht.

Patienten können also offenbar auch von einer verspätet begonnenen Chemotherapie profitieren. Die Autoren weisen aber darauf hin, dass trotz dieses Ergebnisses eine zeitnahe Chemotherapie nach der Operation weiterhin Vorteile für die Patienten bieten könne.

Zudem hat die Studie einige Einschränkungen, da aus der nationalen Krebs-Datenbank nicht alle Einzelheiten der Behandlung hervorgehen und auch besondere Informationen wie Lungenfunktions-Tests oder die körperliche Verfassung der Patienten nicht in der Datenbank protokolliert sind. Diese Werte könnten das Ergebnis der Studie beeinflussen. Weitere Untersuchungen seien also nötig, um die Ergebnisse dieser Studie zu bestätigen, so die Forscher.


Quellen:

Salazar M.C., et al.: Association of Delayed Adjuvant Chemotherapy With Survival After Lung Cancer Surgery. In: JAMA Oncology. Online publiziert am 5. Januar 2017. doi:10.1001/jamaoncol.2016.5829

Yale University: Lung cancer patients may benefit from delayed chemotherapy after surgery. Pressemitteilung vom 5. Januar 2017


Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung aus dem Lungeninformationsdienst, einem Angebot des Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt übernommen.