Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie basierend auf deutschen Krankenkassendaten. Demnach seien die Impfzahlen regional und geschlechterspezifisch durchaus verschieden, insgesamt aber in jedem Fall zu niedrig. Da Pneumokokken vorwiegend sehr junge bzw. ältere Personen infizieren, bestehe hier Nachholbedarf, um unter anderem Lungenentzündungen vorzubeugen.

Pneumokokken sind Bakterien, die insbesondere bei Kleinkindern und älteren, immungeschwächten Menschen schwere Infektionen wie Hirnhaut- und Lungenentzündungen hervorrufen können. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt darum eine Grundimmunisierung für Säuglinge und Kleinkinder. Für ältere Erwachsene ab 60 Jahren rät sie zu einer Standardimpfung und Patienten mit ‚impfrelevanten Erkrankungen‘, etwa bei bestimmten chronischen Krankheiten und geschwächtem Immunsystem, unabhängig vom Alter eine Pneumokokken-Impfung. Eine Auffrischung wird alle fünf Jahre empfohlen.

Inwiefern das bisher in Anspruch genommen wird, untersuchte eine Forschergruppe im Rahmen des sogenannten Versorgungsatlas – einem Angebot des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung, das die regionalen Unterschiede in der medizinischen Versorgung analysiert.

Für ihre Studie zogen die Autoren die Behandlungsdaten von über 500.000 gesetzlich Versicherten heran, die im Jahr 2010 60 Jahre alt geworden waren (Jahrgang 1950). Der Beobachtungszeitraum erstreckte sich bis ins Jahr 2014. Das Ergebnis der Arbeit: Nur rund zehn Prozent der Untersuchten ließ sich gegen Pneumokokken impfen.

Weitere Analysen ergaben allerdings Unterschiede in der Verteilung: So lassen sich Frauen öfter immunisieren als Männer – 10,9 gegenüber 9,3 Prozent. Gleichzeitig ist die Impfbereitschaft in den „neuen“ Bundesländern höher als in den „alten“. Laut den Autoren reiche die Spanne dabei von knapp 5 bis 25 Prozent. Schlusslicht ist Baden-Württemberg mit lediglich 4,6 Prozent geimpften Personen unter den Studienteilnehmern. Das Vorhandensein der oben beschriebenen‚ impfrelevanten Erkrankungen‘ hingegen führte bei Ärzten und Patienten wohl teilweise zu einem Umdenken.

Direkte Gründe für die mangelnde Zahl an Impfungen lassen sich laut den Autoren aus der Studie nicht ableiten. Allerdings könne man aufgrund einer Diskussion über verschiedene Pneumokokken-Impfstoffe spekulieren, dass Ärzte verunsichert seien, welcher Impfstoff zu wählen sei. Darüber hinaus könne es kontraproduktiv sein, dass die Leitlinien einzelner Fachgesellschaften in Einzelfällen von den Vorgaben der Ständigen Impfkommission (STIKO) abwichen. Hier sei eine engere Abstimmung ratsam. Generell empfehlen die Autoren, eine bessere Aufklärung über die Schutzimpfung anzustreben. Auch an eine gemeinsame Abfrage im Rahmen der Influenza-Impfung sei denkbar.


Quelle:
Braeter U. et al.: Pneumokokkenimpfung bei GKV-Versicherten im Altersbereich 60 bis 64 Jahre – Regionalisierte Analyse zur Umsetzung der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission anhand bundesweiter vertragsärztlicher Abrechnungsdaten. In: Versorgungsatlas-Bericht Nr. 16/04, 2016, DOI: 10.20364/VA-16.04

Versorgungatlas: Pneumokokken: Impfraten bei Senioren zu gering, Pressmitteilung vom 30. Juni 2016


Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung aus dem Lungeninformationsdienst, einem Angebot des Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt übernommen.

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