Durch das Einatmen von Partikeln, Gasen, Dämpfen oder Rauch am Arbeitsplatz erkrankt möglicherweise mehr als jede zehnte Person an einer nicht krebsbedingten Lungenerkrankung. Darauf weisen die European Respiratory Society und der American Thoracic Society in einer gemeinsamen Erklärung hin, die im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine veröffentlicht wurde.

Ein Team internationaler Atemwegsexperten aus Medizin und Wissenschaft wertete für die Stellungnahme zahlreiche Studien aus, in denen der Zusammenhang zwischen beruflicher Schadstoffbelastung und Lungenerkrankungen untersucht wurde. Im Fokus stand dabei eine Reihe von Krankheitsbildern: Von Asthma über die chronische obstruktive Lungenerkrankung COPD und Fibrose bis hin zu ausgewählten Infektionskrankheiten.

Das Ergebnis der Analysen: Ist man beruflich schädlichen Substanzen in der Atemluft ausgesetzt, trägt dies zu einem wesentlichen Teil zur Entstehung von nichtkrebsbedingten Lungenerkrankungen bei. Die Experten schätzen, dass etwa 16 Prozent der Asthma- und 14 Prozent der COPD-Erkrankungen auf Schadstoffbelastungen am Arbeitsplatz zurückgingen. Bei idiopathischer Lungenfibrose betrug der Anteil mit beruflicher Belastung etwa 26 Prozent, bei Sarkoidose und anderen granulomatösen Erkrankungen 30 Prozent. Die Auswertung der Infektionskrankheiten ergab, dass etwa zehn Prozent der ambulant erworbenen Pneumonien bei Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter auf Schadstoffe am Arbeitsplatz zurückzuführen sind und etwa zwei Prozent der Tuberkulose-Fälle bei Arbeitern mit Silikatstaub-Exposition.

„Prävention und Bewusstsein verbessern“

Nach Ansicht der internationalen Experten sind berufliche Belastungen mit schädlichen Gasen, Dämpfen oder Partikeln in der Luft wichtige und häufig übersehene Faktoren, die zur Entstehung von Atemwegserkrankungen beitragen. Gleichzeitig könnten gerade diese Gefahren aber relativ einfach verändert bzw. vermieden werden.Das Bewusstsein für den Einfluss von Schadstoffen am Arbeitsplatz auf Lungenkrankheiten müsse daher sowohl in der klinischen Praxis, als auch in der Politik geschärft werden. Medizinerinnen und Mediziner sollten neben der Krankheit immer auch die berufliche Situation ihrer Patientinnen und Patienten im Blick haben. Zudem seien Präventionsstrategien dringend erforderlich.zielt daher vor allem darauf ab, ein Voranschreiten der Krankheit zu verhindern.


Quellen:

Blanc. Et al.: The Occupational Burden of Nonmalignant Respiratory Diseases. An Official American Thoracic Society and European Respiratory Society Statement. American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine. 1. Juni 2019, Vol. 199, No. 11

European Respiratory Society: Workplace exposures contribute to lung disease in more than one in ten people. Meldung vom 10. Juni 2019


Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung aus dem Lungeninformationsdienst, einem Angebot des Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt übernommen.