Nur 60 Prozent der Betroffenen mit idiopathischer Lungenfibrose (IPF) erhalten in Europa eine Therapie mit den antifibrotischen Medikamenten Nintedanib oder Pirfenidon. Das ist das Ergebnis einer Studie des Imperial College London, die in ‚BMC Pulmonary Medicine‘ veröffentlicht wurde.

Zur Behandlung der idiopathischen Lungenfibrose (IPF) sind seit einigen Jahren zwei Wirkstoffe zugelassen, die die weitere Vernarbung (Fibrose) der Lunge verlangsamen – Nintedanib und Pirfenidon. Englische Forschende untersuchten nun, wie die Medikamente in fünf europäischen Ländern (Deutschland, Italien, Spanien, Großbritannien und Frankreich) eingesetzt werden.

290 Lungenfachärzte wurden mittels eines Online-Fragebogens zu den letzten sechs bis acht IPF-Patienten befragt, die sie konsultiert hatten. Abgefragt wurden zum Beispiel das Alter, Stand der IPF-Diagnose (diagnostiziert oder vermutet), Schwere der Krankheit sowie die momentane Therapie.

Die Patienten wurden als „behandelt“ eingestuft, wenn sie Nintedanib oder Pirfenidon bekamen, und als „unbehandelt“ wenn sie keines der antifibrotischen Medikamente einnahmen.

Fast 40 Prozent der IPF-Patienten erhalten keine antifibrotischen Medikamente

Das Ergebnis: Bei den 1158 Betroffenen mit diagnostizierter idiopathischer Lungenfibrose waren es etwa 40 Prozent (462 Patienten), die nicht mit Nintedanib oder Pirfenidon behandelt wurden. Behandelte Patienten waren im Schnitt jünger und hatten einen schwereren Krankheitsverlauf. Vor allem viele leicht bis mittelgradige IPF-Patienten wurden nicht behandelt. Die Autoren vermuten, dass einige Ärzte erst eine Verschlechterung der Krankheit abwarten, bevor sie die Mittel verschreiben.

Zum Zeitpunkt der Studie waren Nintedanib und Pirfenidon in allen untersuchten Ländern seit mindestens zwei Jahren zugelassen. Zudem werden sie für die meisten Patienten mit idiopathischer Lungenfibrose empfohlen. Gründe dafür, warum viele Betroffene die Therapie nicht erhalten, könnten nach Aussage der Autoren sein:

  • fehlende Informationen über die Therapie-Optionen
  • Mangel an Fachzentren für eine eindeutige IPF-Diagnose
  • Angst vor Nebenwirkungen, solange die Erkrankung ‚stabil‘ ist

„Bewusstsein für die Erkrankung und die therapeutischen Möglichkeiten schärfen“

Vorangegangene Studien haben gezeigt, dass Nintedanib und Pirfenidon die Lungenfunktion aufrechterhalten, das Voranschreiten der Lungenfibrose verlangsamen und auch Patienten mit frühen Stadien der Erkrankung profitieren können. Ziel sollte es nach Aussage der Autoren sein, das Bewusstsein für die Erkrankung und die therapeutischen Möglichkeiten sowohl bei Ärzten als auch bei Betroffenen zu schärfen.

Die Studie wurde von der pharmazeutischen Industrie unterstützt.


Quelle:

Lung Disease News: Many European IPF Patients Are Not Receiving Anti-lung-scarring Therapies, Survey Indicates. 21. November 2017 (zuletzt abgerufen am 8.12.2017)

Mahler, T. M. et al.: Unmet needs in the treatment of idiopathic pulmonary fibrosis―insights from patient chart review in five European countries. In: BMC Pulmonary Medicine, 2017, 17:124


Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung aus dem Lungeninformationsdienst, einem Angebot des Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt übernommen.