Bei COPD-Patienten scheint die graue Substanz in den Bereichen des Gehirns vermindert zu sein, die Prozesse wie Atemnot, Angst und Schmerzempfindlichkeit verarbeiten. Zu diesem Ergebnis kommt eine kleine Studie unter Beteiligung von Forschern des Deutschen Zentrums für Lungenforschung, die im Fachmagazin ‚CHEST‘ veröffentlicht wurde.
Das Team um Andreas von Leupoldt von der Universität Leuven in Belgien untersuchte 30 stabile, ambulante Patienten mit moderater bis schwerer Form der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung COPD und 30 Kontrollpersonen ohne COPD-Erkrankung. Alle Studienteilnehmer unterzogen sich einer Magnetresonanz-Tomographie (MRT) des Gehirns. Außerdem wurde die Lungenfunktion der Patienten mittels Spirometrie überprüft, und sie wurden gebeten, den COPD-Angst-Fragebogen (CAF) zur Erfassung krankheitsspezifischer Ängste bei COPD auszufüllen.

Die Untersuchung zeigte, dass bei COPD-Patienten das Volumen der grauen Substanz in bestimmten Hirnbereichen verringert war, nämlich im vorderen, mittleren und hinteren cingulären Cortex. Dieser spielt beispielsweise für autonome Funktionen wie Blutdruck und Herzschlag eine Rolle. Auch Bereiche des Hippocampus, hauptsächlich für Gedächtnis und Lernen zuständig, und der Amygdala, dem sogenannten Mandelkern, der an der Steuerung von Angst beteiligt ist, waren vom Substanzverlust betroffen. Je länger die COPD-Erkrankung bereits andauerte, umso reduzierter war die graue Substanz: Diese Patienten zeigten eine größere Angst vor Atemnot und körperlicher Aktivität, was den weiteren Verlauf der COPD-Erkrankung negativ beeinflussen kann.

Laut Studienautor von Leupoldt könnte die Berücksichtigung krankheitsspezifischer Ängste bei COPD-Patienten die Ergebnisse von Rehabilitationsprogrammen deutlich verbessern. Gleichzeitig ließen sich die strukturellen Veränderungen im Gehirn bei diesen Patienten so möglicherweise auch wieder rückgängig machen.


Quellen:

Esser, R. W. et al.: Structural Brain Changes in Patients with COPD. In: Chest, 2016, 149(2):426-434. doi:10.1378/chest.15-0027

ScienceDaily: COPD may cause structural changes within the brain. Meldung vom 09.02.2016


Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung aus dem Lungeninformationsdienst, einem Angebot des Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt übernommen.